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Settembrini im Gespräch mit Hans Castrop und seinem Vetter Joachim

 

‹Sie kommen aber spät zum Konzert, Herr Settembrini, es muß ja bald aus sein. Hören sie nicht gern Musik?›

‹Nicht gern auf Kommando›, erwiderte Settembrini. ‹Nicht nach dem Wochenkalender. Nicht gern, wenn sie nach Apotheke riecht und mir von oben herab aus sanitären Gründen zugemessen wird. Ich halte ein wenig auf meine Freiheit oder doch auf jenen Rest von Freiheit und Menschenwürde, der unsereinem übrigbleibt. Bei solchen Veranstaltungen hospitiere ich, wie Sie im großen bei uns hospitieren – ich komme auf eine Viertelstunde und gehe wieder meiner Wege. Das gibt mir die Illusion der Unabhängigkeit… Ich sage nicht, dass es mehr ist als eine Illusion, aber was wollen Sie, wenn sie mir eine gewisse Genugtuung bereitet! Mit Ihrem Vetter, das ist etwas anderes. Für ihn ist es Dienst. Nicht wahr, Leutnant, Sie betrachten es als zum Dienst gehörig. Oh, ich weiß, Sie kennen den Trick, in der Sklaverei Ihren Stolz zu bewahren. Ein verwirrender Trick. Nicht jedermann in Europa versteht sich darauf. Musik? Fragten Sie nicht, ob ich mich als Liebhaber der Musik bekenne? Nun, wenn Sie ‹Liebhaber› sagen (eigentlich entsann Hans Castrop sich nicht, so gesagt zu haben), der Ausdruck ist nicht übel gewählt, hat einen Anflug zärtlicher Leichtfertigkeit. Gut denn, ich schlage ein. Ja, ich bin ein Liebhaber der Musik – womit nicht gesagt sein soll, dass ich sie sonderlich achte – so etwa, wie ich das Wort achte und liebe, den Träger des Geistes, das Werkzeug, die glänzende Pflugschar des Fortschritts… Musik… sie ist das halb Artikulierte, das Zweifelhafte, das Unverantwortliche, das Indifferente. Vermutlich werden Sie mir einwenden, dass sie klar sein könne. Aber auch die Natur kann klar sein, auch ein Bächlein kann klar sein, und was hilft uns das? Es ist nicht die wahre Klarheit, es ist eine träumerische, nichtssagende und zu nichts verpflichtende Klarheit, eine Klarheit ohne Konsequenzen, gefährlich deshalb, weil sie dazu verführt, sich bei ihr zu beruhigen… Lassen Sie die Musik die Gebärde der Hochherzigkeit annehmen. Gut! Sie wird damit unser Gefühl entflammen! Die Musik ist scheinbar die Bewegung selbst – gleichwohl habe ich sie in Verdacht des Quietismus. Lassen Sie mich die Sache auf die Spitze stellen: Ich hege eine politische Abneigung gegen die Musik.›

Hier konnte Hans Castrop nicht umhin, sich aufs Knie zu schlagen und auszurufen, so etwas habe er denn doch in seinem Leben noch nicht gehört.

‹Ziehen Sie es trotzdem in Erwägung!› sagte Settembrini lächelnd. ‹Die Musik ist unschätzbar als letztes Begeisterungsmittel, als aufwärts- und vorwärtsreißende Macht, wenn sie den Geist für ihre Wirkungen vorgebildet findet. Aber die Literatur muß ihr vorangegangen sein. Musik allein bringt die Welt nicht vorwärts. Musik allein ist gefährlich. Für sie persönlich, Ingenieur, ist sie unbedingt gefährlich. Ich sah es sofort an Ihren Gesichtszügen, als ich kam.›

Hans Castrop lachte.

‹Ach, mein Gesicht dürfen Sie nicht ansehen, Herr Settembrini. Sie glauben nicht, wie die Luft bei Ihnen hier oben mir zusetzt. Es fällt mir schwerer, als ich dachte, mich zu akklimatisieren.›

‹Ich fürchte Sie täuschen sich.›

‹Nein, wieso! Weiß der Teufel, wie müde und heiß ich noch immer bin.›

‹Ich finde doch, dass man der Direktion für die Konzerte dankbar sein muß›, sagte Joachim besonnen. ‹Sie betrachten die Sache ja von einem höheren Standpunkt, Herr Settembrini, sozusagen als Schriftsteller, und da will ich Ihnen nicht widersprechen. Aber ich finde doch, dass man hier dankbar sein muß für ein bißchen Musik. Ich bin gar nicht besonders musikalisch, und dann sind die Stücke, die gespielt werden, ja auch nicht weiter großartig – weder klassisch noch modern, sondern einfach Blechmusik. Aber es ist doch eine erfreuliche Abwechslung. Es füllt ein paar Stunden so anständig aus, ich meine: es teilt sie ein und füllt sie im einzelnen aus, so dass doch etwas daran ist, während man sich hier sonst die Stunden und Tage und Wochen so schauderhaft um die Ohren schlägt… Sehen Sie, so eine anspruchslose Konzertnummer dauert vielleicht sieben Minuten, nicht wahr, und die sind etwas für sich, sie haben Anfang und Ende, sie heben sich ab und sind gewissermaßen bewahrt davor, so unversehens im allgemeinen Schlendrian unterzugehen. Außerdem sind sie ja wieder noch vielfach eingeteilt, durch die Figuren des Stücks, und die wieder in Takte, so dass immer was los ist und jeder Augenblick einen gewissen Sinn bekommt, an den man sich halten kann, während sonst… Ich weiß nicht, ob ich mich richtig...›

‹Bravo!› rief Settembrini. ‹Bravo, Leutnant! Sie bezeichnen sehr gut ein unzweifelhaft sittliches Moment im Wesen der Musik, nämlich dieses, dass sie dem Zeitablaufe durch eine ganz eigentümliche lebensvolle Messung Wachheit, Geist und Kostbarkeit verleiht. Die Musik weckt die Zeit, sie weckt uns zum feinsten Genusse der Zeit, sie weckt… insofern ist sie sittlich. Die Kunst ist sittlich, sofern sie weckt. Aber wie, wenn sie das Gegenteil tut? Wenn sie betäubt, einschläfert, der Aktivität und dem Fortschritt entgegenarbeitet? Auch das kann die Musik, auch auf die Wirkung der Opiate versteht sie sich aus dem Grunde. Eine teuflische Wirkung, meine Herren! Das Opiat ist vom Teufel, denn es schafft Dumpfsinn, Beharrung, Untätigkeit, knechtischen Stillstand… Es ist etwas Bedenkliches um die Musik, meine Herren. Ich bleibe dabei, dass sie zweideutigen Wesens ist. Ich gehe nicht zu weit, wenn ich sie für politisch verdächtig halte.› Thomas Mann, Zauberberg

Video: FABIAN SAURER

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WIND: WAS IST DAS? DU SIEHST IHN NICHT, ABER DU HÖRST UND SPÜRST SEINE KRAFT. ER BRINGT REGEN, DÜRRE, KÄLTE, HITZE, HEUSCHRECKEN, STAUB; ER TREIBT ALLES WIEDER DAVON. ER KLAPPERT MIT DEN FENSTERLÄDEN, RASCHELT MIT DEN ZWEIGEN, ZERSTÖRT HÄUSER, FACHT BRÄNDE AN; ER TREIBT SCHIFFE VORAN ODER TÜRMT WELLEN AUF, IN DENEN SIE VERSINKEN. SEINE BRISEN IM FRÜHLING WECKEN GEFÜHLE, SEIN HEULEN IM WINTER MACHT ANGST.

[...]

WIND (FENG) BEDEUTET AUCH 'LIED'. DAS LIED VERRIET DEN HERRSCHERN, WAS DIE MENSCHEN DACHTEN, UND SO BEKAM DAS WORT SPÄTER NOCH DIE BEDEUTUNG 'STIMMUNG' ODER GAR 'SITTEN'. DAS SHI CHING, DAS BUCH DER ODEN ODER LIEDER, DIE ERSTE CHINESISCHE ANTHOLOGIE, BEGINNT MIT EINEM ABSCHNITT UNTER DEM TITEL KUO FENG - STAAT WIND -, DEN LIEDERN, DEN STIMMUNGEN DER PROVINZSTAATEN. DAS GROßE VORWORT ZUM SHI CHING SAGT: 'MIT WIND VERÄNDERN DIE OBEREN IHRE UNTERTANEN, UND MIT WIND STELLEN DIE UNTERTANEN IHRE OBEREN SATIRISCH DAR.' MAN SAGTE: 'HÖRE DEN WIND (DIE LIEDER AUS DER PROVINZ), UND DU WIRST DEN WIND ERKENNEN (DIE STIMMUNG DER BEWOHNER).'

ELIOT WEINBERGER, DAS WESENTLICHE, 2008

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WENN WIR UNSERE ÜBERTREIBUNGSKUNST NICHT HÄTTEN, [..], WÄREN WIR ZU EINEM ENTSETZLICH LANGWEILIGEN LEBEN VERURTEILT, ZU EINER GAR NICHT MEHR EXISTIERENSWERTEN EXISTENZ. [...] UM ETWAS BEGREIFLICH ZU MACHEN, MÜSSEN WIR ÜBERTREIBEN, [...], NUR DIE ÜBERTREIBUNG MACHT ANSCHAULICH...

AUSLÖSCHUNG, THOMAS BERNHARD, 1986

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DIE 'NORMALEN' ORGANISMEN UND DEREN ORGANE REAGIEREN SOZUSAGEN PHILISTRÖSER, KONSERVATIVER AUF DIE REIZE DER AUßENWELT: SIE GEBEN IHNEN KONVENTIONELLE ANTWORTEN; DIE EMPFANGSAPARATE DER NEUEN VARIETÄT FUNKTIONIEREN ORIGINELLER, REVOLUTIONÄRER, 'CHARAKTERLOSER', ANPASSUNGSFÄHIGER: SIE GEBEN INFOLGE IHRER FEINEREN EMPFINDLICHKEIT FÜR REIZNUANCEN INDIVIDUELLERE ANTWORTEN. NEUE VARIETÄTEN SIND NICHTS ANDERES ALS DIE UNTER DEN BISHERIGEN BEDINGUNGEN NICHT MEHR LEBENSFÄHIGEN ALTEN; IM STRUGGLE FOR LIFE SIEGT NICHT DER 'TÜCHTIGSTE', DAS HEIßT DER STUMPFSTE, ROHESTE, GEDANKENLOSESTE ORGANISMUS, WIE JENE PHILISTER- UND KAUFMANNSPHILOSOPHIE UNS GLAUBEN MACHEN WILL, SONDERN DER GEFÄHRDESTE, LABILSTE, GEISTIGSTE: NICHT DAS 'ÜBERLEBEN DES PASSENSTEN' IST DAS AUSLESENDE PRINZIP DER ENTWICKLUNG, SONDERN DAS ÜBERLEBEN DES UNPASSENDSTEN.

EGON FRIDELL, KULTURGESCHICHTE DER NEUZEIT. DIE KRISIS DER EUROPÄISCHEN KULTUR VON DER SCHWARZEN PEST BIS ZUM WELTKRIEG, 1927

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'MÄNNER WOLLEN IMMER FURCHTBAR GERN WIRKEN... UND ICH SEHE DAS GEWISSERMASSEN VON AUSSEN. ICH SELBER WILL VERSTEHEN, UND WENN ANDERE MENSCHEN VERSTEHEN, IM SELBEN SINNE WIE ICH VERSTANDEN HABE, DANN GIBT MIR DAS EINE BEFRIEDIGUNG WIE EIN HEIMATSGEFÜHL.'

HANNAH ARENDT, IM GESPRÄCH MIT GÜNTER GAUS, 1964

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DIESES POLITISCHE MANDAT AN DIE CHRONISCHE AGITIERENDE HYSTERISIERENDE MASSENKOMUNIKATION ERGIBT DIE GESCHÄFTSGRUNDLAGE DES MODERNEN NATIONAL-JOURNALISMUS, DER VOM FRÜHEN 19. JAHRHUNDERT AN BIS HEUTE ALS PRODUZENT VON VEREINIGENDEN HYSTERIEN UND INTEGRIERENDEN PANIKEN FUNGIERT. SO HATTE HEGEL GANZ RECHT, DIE ZEITUNGSLEKTÜRE ALS DAS MORGENGEBET DER BÜRGERLICHEN GESELLSCHAFT ZU APOSTROPHIEREN, ER HAT NUR VERGESSEN HINZUZUFÜGEN - WIE MAN NACH MARXENS BEISPIEL SAGEN MÖCHTE - DASS GEBETE DIESER ART DIE SEELE NICHT ANS JENSEITS, SONDERN ANS DIESSEITS BINDEN UND DASS SOLCHE LEKTÜREN DIE ZERSTREUTEN EINZELNEN AN IHREN FRÜHSTÜCKSTISCHEN NICHT ERBAUEN, SONDERN SIE ANSCHLIESSEN AN DIE GEWALTTRÄCHTIGE UNRUHE DES ÖFFENTLICHEN KREISLAUFS VON RENDITEN UND SENSATIONEN. [...] DIE NATION IST EIN HYSTERISCHES UND PANISCHES INFORMATIONSSYSTEM, DAS STÄNDIG SICH SELBST ERREGEN, SICH SELBST STRESSIEREN, JA SOGAR SICH SELBST TERRORISIEREN UND IN PANIK VERSETZTEN MUSS, UM SICH SELBST ZU BEEINDRUCKEN UND UM SICH, ALS IN SICH SELBER SCHWINGENDE STRESSGEMEINSCHAFT, DAVON ZU ÜBERZEUGEN, DASS ES SIE WIRKLICH GIBT. IST EIN SOLCHES NATIONALES INFORMATIONSSYSTEM ERST EINMAL HINREICHEND AUSGEBAUT - KÖNNEN DIE MEHRHEITEN ERST LESEN, SCHREIBEN UND SICH SELBST IRRITIEREN -, SO IST DIE NATION IM STANDE, SICH VON TAG ZU TAG ALS SELBSTNÖTIGENDE EINHEIT SINNLICH KONKRET UND DOCH AUCH GESPENSTISCH ABSTRAKT ZU ERLEBEN UND SICH IMMER VON NEUEM DAVON ZU ÜBERZEUGEN, DASS SIE EINEN HINREICHEND STARKEN GRUND FÜR IHRE EXISTENZ UND IHRE KOHÄRENZ BESITZT. HALTEN WIR FEST: MODERNE NATIONEN SIND ERREGUNGSGEMEINSCHAFTEN, DIE SICH DURCH TELEKOMMUNIKATIV, ZUERST MEHR SCHRIFTLICH. DANN MEHR AUDIOVISUELL ERZEUGTEN SYNCHRON-STRESS IN FORM HALTEN. MIT HILFE SYNCHRONISIERENDER HYSTERIEN UND HOMOGENISIERENDER PANIKEN VERSETZTEN SIE SICH SELBST FORTWÄHREND IN JENE MINDESTSPANNUNG, DIE NÖTIG IST, UM DAS ERNEUTE AUFKLAFFEN DER FRAGE, OB DIE REVOLUTION HIER BEENDET SEI ODER EINE FORTSETZUNG VERLANGE, ZU VERHINDERN ODER ZU VERTAGEN. DIESE MINIMALHYSTERIEN UND MINIMALPANIKEN HATTEN BIS 1945, JA IM GRUNDE SOGAR BIS 1989 IN ERSTER LINIE DEN CHARAKTER VON AUSSENPOLITISCHEN, INTERIMPERIALEN, INTERSYSTEMISCHEN SPANNUNGEN ANGENOMMEN - OHNE NATIONALFEIND KEINE NATION, OHNE FEINDSTRESS KEIN SELBSTSTRESS. SEIT DEM ENDE DES KALTEN KRIEGES JEDOCH WENDEN SICH DIE HYSTERISIERENDEN UND PANIKINDUZIERENDEN ENERGIEN MASSIV DEM WIRTSCHAFTLICHEN SEKTOR ZU UND DIKTIEREN DEN VIBRIERENDEN GESELLSCHAFTSKÖRPERN DIE NEUEN STRESS-THEMEN VOM GLOBALEN WETTBEWERB. DIE ERFOLGE DIESER THEMEN-REVOLUTION SIND TATSÄCHLICH DURCHSCHLAGEND, DENN IN IHREM VOLLZUG - WIR ALLE HABEN ES GESPÜHRT UND DOCH NCOH LANGE NICHT VERSTANDEN - SIND INNERHALB WENIGER JAHRE EUROPAWEIT, JA WELTWEIT VÖLLIG VERÄNDERTE KULTURELLE UND SOZIALE KLIMATA ENTSTANDEN. DIE FITNESS-TRAINER HABEN DIE GENERALE IN DEN HINTERGRUND GEDRÄNGT, DIE MOBILISIERTEN NATIONEN HABEN DIE STIEFEL MIT DEN LUFTPOLSTERLAUFSCHUHEN VERTAUSCHT. EIN GRÜNDLICH REFORMIERTER NATIONALSTRESSSTANDARD HAT SICH IM LAUF DER LETZTEN ZEHN JAHRE AUF BREITEN FRONTEN DURCHGESETZT - LANCIERT DURCH JENE AGENTUREN DER MASSENKULTUR, DIE AUF ALLEN SCHAUPLÄTZEN DEN ATHLETISCHEN, NEO-LIBERALEN, MODELLSCHÖNEN SIEGERTYPUS FAVORISIEREN. DER POSTMODERNISIERTE AUTOGENE STRESS IST NICHT MEHR GEPRÄGT VON DER AUSSENPOLITISCHEN PARANOIA, DIE FÜR DAS 19. UND GROSSE TEILE DES 20. JAHRHUNDERTS TYPISCH WAR UND DIE ZUR ZEIT NUR IN FORM VON FUNDAMENTALISTENFURCHT MARGINAL ÜBERLEBT; ER IST VIELMEHR BESTIMMT VON DER SOZIALEN, DER KONKURRENTIELLEN, DER EXISTENTIELLEN PARANOIA, VON DER UNMITTELBAREN EIFERSUCHT AUF DEN NÄCHSTEN RIVALEN, VON DUELLEN UM DIE BESTEN ZUGÄNGE ZU SCHEINBAR ODER WIRKLICH KNAPPEN GÜTERN, VOM KRIEG DER AMBITIONEN UND LASZIVITÄTEN. UND ÜBER DER GESAMTEN MEDIA-SPHÄRE DER ERSTEN WELT BREITET SICH DIE EROTIK DER BOSHEIT AUS, DIE ALLEN NAH- UND FERNKÄMPFEN DER NEUEN GLOBALISIERTEN BEGEHRLICHLICHKEIT IHRE TYPISCHE NUANCE GIBT. HIERMIT WIRD AUCH DER GRUND DAFÜR OFFENSICHTLICH, WARUM DIE POSTMODERNISIERTEN NATIONEN DIE ALLGEMEINE WEHRPFLICHT ABSCHAFFEN, DENN DAS VERNETZTE WELTSYSTEM HAT VOM FEINDSTRESS UND VOM KULT DER NATIONALEN KLASSIKER AUF SELBSTERREGUNGSSTRESS, NEIDSTRESS, INOVATIONSSTRESS UMGESTELLT, UND WENN DIE JUGEND HEUTE FÜR IRGEND ETWAS DROHENDES, HERAUSFORDERNDES, KRAFTRAUBENDES FITGEMACHT WERDEN MUSS, DANN NICHT SO SEHR FÜR EINEN UNWAHRSCHEINLICHEN KRIEG MIT DEM POLITISCHEN NACHBARN, SONDERN FÜR DIE NÄCHSTE ESKALATIONSSTUFE IN DEN SELBSTAUFGEILUNGS-FELDZÜGEN DER INFORMATISCH BEWEGTEN WETTLAUFNATIONEN.

MEINE DAMEN UND HERREN, WAS ERGIBT SICH AUS DIESEN ÜBERLEGUNGEN FÜR UNSERE FRAGE NACH DEM STARKEN GRUND, ZUSAMMEN ZU SEIN? WIR SIND NUN, DENKE ICH, IMMERHIN SO WEIT, SAGEN ZU KÖNNEN, DASS MODERNE NATIONEN NICHT DAS SIND, WAS TRADITIONELLE HISTORIKER VORGEBEN, DASS SIE SEIEN, NÄMLICH GESCHICHTLICHE BEGRÜNDUNGS- UND HERKUNFTSGEMEINSCHAFTEN; SIE SIND VIEL MEHR UND VON GRUND AUF PSYCHO-POLITISCHE SUGGESTIONSKÖRPER, DIE DEN CHARAKTER VON ARTIFIZIELLEN STRESSGEMEINSCHAFTEN HABEN. SIE SIND SOMIT RADIKAL AUTOPLASTISCHER NATUR, DENN SIE EXISTIEREN NUR IN DEM MASS, WIE SIE SICH SELBST ERREGEN, UND SIE ERREGEN SICH NUR IN DEM MASS, WIE SIE SICH SELBST IHREN GRUND, ZU SEIN, IN MACHTVOLLEN FIKTIVEN ERZÄHLUNGEN UND AUTOSUGGESTIV STRESSIERENDEN MELDUNGEN VORSAGEN.                                                               

PETER SLOTERDIJK, DER STARKE GRUND ZUSAMMEN ZU SEIN, 1998

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Sat, 08.10.2022 20.00 Uhr Tag des offenen Proberaums, Sunareal Bürglen
Sat, 22.10.2022 20.59 Uhr LUKAS-BAR, St. Gallen

LUKAS-BAR

Sat, 27.08.2022 17.00 Uhr Blind Session am CLANX (AI)
Sat, 09.07.2022 17.59 Uhr Mit EUGEN in der Landscheide, Speicher (AR)
Sat, 07.05.2022 21.49 Uhr Plattentaufe ISH+D,DSH Bürglen (TG)
Sun, 07.06.2020 20.00 Uhr LCP Studio Session
Fri, 08.11.2019 20.30 Uhr PUBLIKUMSMAGNET und SATTlerei im Kulturkeller Höngg (ZH)
Sat, 11.05.2019 21.17 Uhr Im Fontibonland (TG)
Fri, 22.02.2019 21.00 Uhr SATTlerei und Köter im Schwarzen Engel (SG)
Fri, 01.02.2019 21.00 Uhr Optimist Youth Bar, Bürglen TG
Fri, 06.10.2017 20.30 Uhr Optimist Youth Park

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